Heft 2010/1
Moritz Klenk:
Religionswissenschaft als systemische
Kulturwissenschaft.
Überlegungen zu einer Synthese von
Systemtheorie und kulturwissenschaftlicher Religionsforschung
Zusammenfassung
Der Artikel stellt
Überlegungen an zu einer Synthese von soziologischer Systemtheorie
mit kulturwissenschaftlicher Religionswissenschaft an. Er plädiert
dafür, das bislang weitgehend unberücksichtigte Potential der
Systemtheorie für die disziplinkonstituierende Aufgabe der
Religionswissenschaft zu nutzen: einer Theorie von Religion. Dabei
werden exemplarisch für die kulturwissenschaftliche
Religionswissenschaft der programmatische Ansatz von Burkhard Gladigow
sowie Luhmanns Theorie von Religion als Kommunikationssystem
vorgestellt.
Mit systemtheoretischen Überlegungen zu Religion als Kommunikation
wird ein Ansatz vorgeschlagen, der den kulturwissenschaftlichen Ansatz
ergänzt und erweitert. Der Aufsatz zeigt dabei die inhärente
Kompatibilität von vergleichender Methode der
Religionswissenschaft sowohl mit der kulturwissenschaftlichen
Perspektive als auch mit der Methode der funktionalen Analyse der
Systemtheorie sowie der Theorie sozialer Evolution auf.
Die skizzierte Synthese einer systemisch-kulturwissenschaftlichen
Religionswissenschaft ist schließlich, aufgrund ihrer
systemtheoretischen Fundierung kompatibler mit Fragestellungen und
Ergebnissen anderer Disziplinen als die bisherige
kulturwissenschaftliche Perspektive. Sie eröffnet so neue und
komplexere Möglichkeiten der disziplinären sowie der
interdisziplinären Religionsforschung.
Abstract
This paper considers the synthesis of sociological systems
theory and the ‘culturalist’
(“kulturwissenschaftlich”) approach of religious studies.
It advocates the use of the under utilized potential of systems theory
for the overall task of religious studies: a theory of religion. In
doing so, the paper presents the programmatic work of Burkhard
Gladigow, representing the ‘culturalist’ approach, and
Luhmann’s theory of religion as communication system.
The systems theoretical considerations of religion as communication
offer an approach, which complements and extents the
‘culturalist’ perspective. Thereby, the paper shows the
inherent compatibility of the comparative method with the
‘culturalist’ approach as well as with the functional
analysis of systems theory and the theory of social evolution.
Finally, the integrative synthesis of a
systemic-‘culturalist’ study of religion provides greater
connectivity to other disciplines’ research perspectives and
results; therefore, it enables new and more complex possibilities for
disciplinary and interdisciplinary study of religion.
Autor/in
Moritz Klenk wurde
1985 in Nürnberg geboren. 2009 schloss er das Bachelorstudium
„Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Religion“ (B.A.) an der
Universität Bayreuth ab. Zur Zeit studiert er parallel im
Masterstudiengang „Religionswissenschaft“ (M.A.) an der
Universität Bayreuth sowie im „Taught Master‘s
Programme in Religious Studies“ (M.Sc.) an der University of
Edinburgh, Schottland. Darüber hinaus arbeitet Moritz Klenk seit
2009 als Mitglied der soziologischen Arbeitsgruppe des
gesellschaftswissenschaftlichen Kollegs der Studienstiftung des
deutschen Volkes e.V. zum Thema: „Ordnung und Konflikt. Zur
fragilen Stabilisierung von Gesellschaften der Gegenwart“. Seine
wissenschaftlichen Interessensschwerpunkte sind soziologische
Systemtheorie, Theorie der Religion der (Welt-)Gesellschaft,
Wissenschaftstheorie und Prozesse der Globalisierung.