Heft 2008/1
Karsten Lehmann:
Individuelle Spiritualität und politische Positionierung
Abstract
Der vorliegende Aufsatz möchte einen religionswissenschaftlichen Beitrag zur Debatte um die integrative oder segregative Bedeutung von Religion leisten, indem er zwei Fallbeispiele vorstellt, welche individuelle wie soziale Aspekte der Lebenssituation von Zuwanderern veranschaulichen, und diese dann in Bezug auf Integrationsprozesse ausdeutet.Auf dieser Basis kann zunächst die keineswegs triviale Feststellung hervorgehoben werden, dass religiöse Vorstellungen sowohl individuelles Handeln motivieren als auch soziale Prozesse legitimieren können. Integration sollte als ein Prozess gefasst werden, der sich nicht auf das statische und klar umrissene Nebeneinander von Systemen und ihren typischen Elementen reduzieren lässt.
Aus diesem Grund ist es unmöglich, von einer eindeutigen Bedeutung ‚der Religionen’ für migrationsbedingte Integrationsprozesse zu sprechen. Religiöse Vorstellungen und Akteure liefern vielmehr auf unterschiedlichen Ebenen dynamisch veränderbare Motive und Legitimationen für das Handeln von Zuwanderern. Diese komplexen, dynamischen und teilweise widersprüchlichen Aspekte gilt es zu berücksichtigen, um der integrativen Leistung der Zuwandererreligionen gerecht zu werden.
Autor/in
Dr. Karsten Lehmann wurde 1971 in Baden-Baden geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Hohenbaden und dem Grundwehrdienst in Calw nahm er 1991 in Tübingen das Studium der Religionswissenschaft, Soziologie und Neueren Geschichte auf. Seinen ersten akademischen Grad (M.A. excellent in Religious Studies) wurde ihm von der Lancaster University verliehen.
Zurück in Tübingen promovierte Karsten Lehmann mit einer migrationssoziologischen Arbeit bei Prof. Dr. C. Seyfarth am Soziologischen Seminar. Mitte 2001 wurde seine Dissertation unter dem Titel „Vereine als Medium der Integration“ beim Hitit-Verlag (Berlin) veröffentlicht. Von 2000 bis 2004 war Karsten Lehmann als Leiter des Kontakt- und Informationsbüros (KiB) in Zwickau tätig. Seit 2004 ist er Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Religionswissenschaft II (Prof. Dr. Chr. Bochinger) der Universität Bayreuth. Seine Forschungsschwerpunkte: religiöser Pluralismus, Religionen in den Internationalen Beziehungen und Methoden der qualitativen Religionsforschung.